Grube Castor

Nordöstlich von Schloss Ehreshoven, jenseits der Agger, ausgehend von den Ortschaften Kastor und Westen einerseits und dem weiter östlich gelegenen Lüdenbacher Siefen erstreckt sich das Bergwerksgelände der ehemaligen Grube Castor.

Haldengelände der Grube Castor
Haldengelände der Grube Castor
Alte Halden und zahlreiche mit Vegetation überwachsene Pingen vermitteln den Eindruck eines hohen Alters. Neuere Funde von Werk­zeug­teilen und einer Münze belegen, dass dort mindestens schon im Mittel­alter berg­bauliche Aktivitäten statt­gefunden haben. Bei der Münze handelt es sich um einen Denar aus der Zeit des Kaisers Otto III etwa um das Jahr 997. Denare aus dieser Zeit bestehen eigentlich aus Silber, bei diesem Fundstück handelt es sich um eine versilberte Kupfermünze, wahrscheinlich eine staatliche Fälschung aus Notzeiten.

Nach Mutung erfolgte die Verleihung des Grubenfeldes Castor durch das preußische Oberbergamt in Bonn 1853 an die belgische Aktiengesellschaft Société Anonyme des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne – kurz Vieille Montagne. Namensgebend für diese Gesellschaft war der „Altenberg“ in Belgien westlich von Aachen, wo sich im 19. Jahrhundert eine bedeutende Zinkerzlagerstätte der Gesellschaft befand. Erst 1934, in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde der französische Name eingedeutscht und der Gesellschaftsname lautete fortan „Altenberg“.

Im Jahr der Verleihung begann der reguläre Bergbau auf der Grube Castor. Sie entwickelte sich bald durch Einsatz von damals neuester Technik (Dampfmaschinen) zu einer der größten Blei- und Zinkerzgruben unserer Heimat. In ihrer Blütezeit um 1890 bot die Grube 300 bis 400 Menschen Arbeit.

Grube Castor
Grube Castor

Wichtiger Fingerzeig zum Auffinden der Erzlagerstätten waren die bereits vorhandenen Berg­bau­spuren am Nordhang des Aggertales zwischen der Ortschaft Westen und dem Hof Lüdenbach.

Die Grube Castor baute auf zwei Erzgängen, dem Castorgang und dem Maxgang. Die Erzgänge waren bis zu 10 m mächtig. Beim Maxgang überwogen die Bleierze, beim Castorgang die Zinkerze (nach Bergrat Emil Buff in “Beschreibung des Bergreviers Deutz, 1882”).

Castor 1877
Castor 1877
Castor 1877
Castor 1877

Der Bergbaubetrieb wurde 1853 mit der Aufwältigung und Verlängerung eines alten Stollens am Rande der Ortschaft Westen wieder aufgenommen. 1856 wurde in der Aggeraue 40 m unter dem alten (oberen) Stollen der tiefe Stollen angesetzt und nordöstlich in Richtung der Lagerstätten aufgefahren. Dieser sollte zum Abbau der Erze auf tieferem Niveau dienen und gleichzeitig die Entwässerung des Bergwerks gewährleisten.

1861 hatte man den tiefen Stollen 510 m weit aufgefahren und die Erzlagerstätte erreicht. Jetzt errichtete man zwischen dem Ort Westen und der Agger vor dem Mundloch des tiefen Stollens eine neue Aufbereitungsanlage, welche bereits im Jahr 1863 707 t Zinkblende und 46 t Bleierz aus dem Haufwerk gewann. Die alte bzw. erste Erzaufbereitung auf der Halde des oberen Stollens wurde aufgegeben.

In den 1860er Jahren wurde auch die bekannte Hängebrücke über die Agger gebaut, über die die Erzkonzentrate in Loren auf eine Rampe am linken Aggerufer transportiert wurden.

In den Jahren 1875 – 77 teufte man einen Maschinenschacht bis zur Sohle des tiefen Stollens. Die Hängebank des Schachtes, das Plateau, auf dem das Maschinenhaus stand, sowie große Abraumhalden sind heute noch im Quellbereich des Staadter Siefens zu erkennen.

Querschnitt Grube Castor
Querschnitt Grube Castor

In den Jahren 1878 – 86 wurde der Schacht weiter abgeteuft und drei weitere Tiefbausohlen legte man an. Während die beiden ersten neuen Tiefbausohlen zufriedenstellende Abbauergebnisse brachten, war die Lagerstätte auf der dritten Tiefbausohle weitgehend taub und nicht mehr abbauwürdig. Der Schacht hatte mit 226 m eine Tiefe erreicht, die 115 m unter der Talaue zwischen Loope und Ehreshoven lag.

Belegschaft mit Kindern
Belegschaft mit Kindern

Beschäftigtenzahlen auf der Grube Castor (Angaben von A. Nehls)

1887   351
1881   297
1883   400
1889   392
1892   300
1902   130
1906   100
1926     30

Im Jahre 1868 erreichte der tiefe Stollen den Maxgang und erschloss reiche Bleierzmittel. Die Grube Castor entwickelte sich in den 70er Jahren hinsichtlich Fördermenge und Beschäftigtenzahl zum größten Bleierzbergwerk der Region. Im März 1889 wurde mit 392 Personen die höchste Beschäftigtenzahl erreicht (273 in der Grube und 119 in der Aufbereitung).

In den 1890er Jahren ging die Erzförderung wegen Erschöpfung der Lagerstätte mehr und mehr zurück, sodass der Abbau 1906 eingestellt wurde.

Da auch die Pumpen still gesetzt wurden, soff die Grube bis zum Niveau des tiefen Stollens ab. Die Erzaufbereitung wurde nach Verarbeitung der bereits geförderten Roherze eingestellt und für eine spätere Wiederinbetriebnahme konserviert. Von den noch 100 Beschäftigten konnte ein kleiner Teil für Versuchsarbeiten im tiefen Stollen und in der Umgebung der Grube Castor behalten werden, einige Bergleute wechselten zur Grube Lüderich bei Overath-Untereschbach und zum Versuchsbetrieb Bruno 2.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Gesellschaft ALTENBERG Versuchsarbeiten begonnen, um das Erzvorkommen der Grube Bruno 2 in Niederhof an der Landstraße Loope – Marialinden zu erschließen. 1906 wurde ein Schacht bis zu einer Tiefe von 51 m abgesenkt. Die aufgefundenen Erzgänge entsprachen jedoch nicht den Erwartungen des Unternehmens, sodass schon 1908 der Abbau vorerst wieder eingestellt wurde.

1924 wurde Bruno 2 wieder in Betrieb genommen. Das geförderte Haufwerk wurde ab April 1926 mit einer 3 km langen Seilbahn von Niederhof zur modernisierten und wieder in Gang gesetzten Aufbereitungsanlage Castor befördert. Da die Erzvorkommen in Niederhof mit zunehmender Tiefe wenig ergiebig waren, musste der Betrieb bereits im Dezember des gleichen Jahres wieder aufgegeben werden. 1931 wurde die Seilbahn demontiert.

Fördermengen der Grube Castor
(Informationen der Bez. Reg. Arnsberg)

Auf Castor sind insgesamt 522.000 t Roherz gefördert worden.

Daraus wurden in der Erzaufbereitung folgende Konzentratmengen erzeugt:

Bleiglanz              51.528 t
Zinkblende           53.640 t
Spateisenstein       6.300 t
Kupferkies                    70 t
Brauneisenstein          20 t
Nickelerz                      17 t

Die 1907 begonnenen Versuchs­arbeiten auf und im Umfeld der Grube Castor waren erfolglos geblieben und wurden 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges gestundet. Zwischen 1922 und 1929 erfolgte eine letzte un­bedeutende Erzgewinnung im Niveau des wieder auf­ge­wältigten oberen Stollens. Dort hatte man einige Erzreste erschlossen, die im früheren Betrieb stehen geblieben waren. Belegt ist die Gewinnung von 7 t Zinkblende und 2 t Bleiglanz. Im September 1929 wurden auch diese Arbeiten eingestellt.

Der Niedergang der Grube Castor begann im 20. Jahrhundert, bis schließlich 1932 die letzten Maschinenhäuser abgebrochen wurden. Sichtbare Zeichen aus der Zeit des Bergbaus sind die Hängebrücke, die Reste der Abraumhalden, das Steigerhaus (Staadt/Ecke Kastor), einige Arbeiterhäuser sowie zwei Eingänge zu den Stollen der Grube, die inzwischen verschlossen wurden.

Quellenverzeichnis

    • Loope – Ein Heimatbuch“ (ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3873144736)
    • Privatsammlungen Looper Bürger
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