Eröffnung: 09.03.2022
Adresse: Kapellenweg, 51766 Engelskirchen
                 Am Zuweg zur Kapelle
Geodaten:  50.978549, 7.370489

Über 300 Jahre Rochuskapelle

Rochuskapelle 1960
Rochuskapelle 1960
Rochuskapelle nach 2000
Rochuskapelle nach 2000

Etwas in Vergessenheit geraten ist sie, die doch recht ansehnliche Rochuskapelle. Zu Unrecht, wie die doch bewegte Geschichte der Kapelle in den ersten Jahren nach ihrer Errichtung zeigen wird.

Noch bis zum Bau der Totenhalle, Anfang der sechziger Jahre, wurde sie als Aufbahrungsort für die Verstorbenen genutzt.

Die im Haus vor der Kapelle über mehr als 40 Jahre ein Lebensmittelgeschäft betreibende Anna Euler war während dieser Zeit Rochusküsterin. Zu feierlichen Anlässen betätigte sie die bronzene Kirchenglocke mit der Inschrift „Ich lobe Gott mit lautem Schall, Sanct Rochus bitte für uns all“. Dies geschah immer, wenn ein Trauerzug aus Broich an der Kapelle vorbeiging.

Altar Rochuskapelle
Altar Rochuskapelle

Betritt man die Kapelle, so zeigt das Altarbild den heiligen Rochus, dessen Gebeine seit 1485 in Venedig aufbewahrt werden.

Die beiden in der Kapelle vorhandenen Statuen verkörpern den hl. Antonius als Einsiedler, sowie den hl. Rochus mit Stab und Reisebeutel, sowie mit einer Pestbeule am Bein. Der Hund als Begleiter hält ein Stück Brot im Maul. Gemäß alter Überlieferung wurde der h1. Rochus um 1295 in Montpellier in Südfrankreich geboren. Er gab sein großes Vermögen an die Armen und ging auf die Pilgerschaft nach Rom. Unterwegs pflegte er Pestkranke und heilte viele durch das Kreuzzeichen. Auf der Rückkehr von Rom befiel ihn selbst die Pest. Ein Hund rettete dem schwerkranken Rochus das Leben, indem er dem isoliert in einer Waldhütte lebenden Mann täglich eine Scheibe Brot brachte. Nach seinem Tod 1327 in seiner Heimat erkannte man ihn an einem Muttermal auf der Brust wieder. Durch eine Schrift an der Wand wurde er von Gott als großer Pesthelfer gelobt. So die fromme Überlieferung. Seit der Überbringung seiner Reliquien nach Venedig im Jahre 1485 wurde er bei den damaligen Pestausbrüchen zu einem der volkstümlichsten Heiligen. In unzähligen Bildwerken, Kapellen, Altären, Krankenhäusern wurde er als Schutzpatron gegen die Pest und die Seuchen überhaupt geehrt und als Schutzheiliger gegen Viehseuchen angerufen.

Chronodistichon
Chronodistichon

Eine Pestwelle im 17. Jahrhundert führte auch zur Errichtung der Kapelle in Loope. Auf das Einweihungsdatum, den 16. August 1682 und die Umstände des Neubaus weist eine Inschrift über der Eingangstür hin:

RAPTA RVO PER AQVAS; TE PAULE RVENTE PER IGNES; SED RVRSUM FESTO STO REPARATA ROCHI.
JOANNES LUDEWICH P.T. PASTOR HUIUS PAROCHIAE  

In der Übersetzung lautet sie: „Fortgerissen durch das Wasser stürze ich zusammen, an dem Tage, an dem Paulus niederstürzt durch den Lichtstrahl, aber ich stehe da wiederum aufgerichtet am Feste des hl. Rochus.   Johannes  Ludewig, Pastor dieser Pfarrgemeinde. 1682, am 16.August.“
(Übersetzung von Pfarrer Fuchs, Engelskirchen, in der Bergischen Heimat Nr. 10 im Oktober 1926)

Als Chronodistichon (zu griechisch χρόνος, „Zeit“, δίς „zweifach“ und στίχος „Reihe, Linie“, siehe: Distichon = „Zweizeiler“) wird ein kleines neulateinisches Gedicht besonders im Zeitalter der Renaissance oder des Barock bezeichnet, in dem durch eine besondere Schrift gekennzeichnete lateinische Zahlbuchstaben eine bestimmte Jahreszahl ergeben.

Der Heimatforscher Josef Külheim führte bei seinen umfangreichen Untersuchungen zur Kapelle aus (BLZ, 26.1.1950) : „ dass der jetzige Standort aber nicht die ursprüngliche Gründung war, sondern schon einige Jahre in geringer Entfernung eine Kapelle gestanden hatte. Bei den Bauarbeiten anlässlich der Errichtung der Aggerstaustufe und den damit verbundenen Regulierungsarbeiten am Aggerlauf fand man in Höhe der heutigen Gastwirtschaft Becker an der Agger große Eichenstämme. Sie gehörten zu einer alten Brücke oder Furt, die dort nach Schiffarth führte. Gemäß den Niederschriften des Pastors Johannes Ludewig von Engelskirchen im Pfarrarchiv von Engelskirchen hat die Kapelle ursprünglich dort an der Aggerfuhrt gestanden. Er schreibt:

„Als im Jahre 1669 letzt im Sommer in der Nachbarschaft auch im hiesigen Kirchspiel die rote Ruhr stark einfiel, habe ich zu Engelskirchen am 14. Sonntag nach der heiligen Dreifaltigkeit in unserer Kirche von der Kanzel publiziert, am nächstkünftigen Freitag nach dem Kreuzstocke am Looper Steeg eine Prozession um Abwendung dieser Krankheit zu halten. Wie nun die Leute sich fleißig dazu eingestellt, habe ich an genanntem Kreuzstocke eine Ermahnung aus den Worten des vorigen Sonntagsevangeliums gehalten, worauf viele gute Kirchspielbürger zu mir gekommen sind und begehrt haben, in Loope an der Agger eine Kapelle aufzubauen, wie es dann auch hernach geschehen ist, zur Ehre Gottes und des hl. Rochus.“

Am 24 September 1674 wurde die Maurerarbeit einem Maurermeister Michel übergeben. 190 Karren Steine waren vorher auf den Kapellenplatz gefahren worden. Am 25. September 1674 wurde der erste Stein gelegt, wobei der Pastor dem Maurer als Trinkgeld 26 Albus gab. Der Wirt Johann Pütz zu Broich gab beim Verding 1 – 2 Viertel Bier zum besten. Der Mann dachte daran, dass durch die Kapelle sich seine Wirtschaft bessern würde. Mit dem Bau der ursprünglichen Kapelle wurde daher bereits 1674 begonnen. Am Tag von Paulus Bekehrung (Inschrift über Eingang), dem 25. Januar 1682, riss dann eine Flut diese Kapelle fort, und sie wurde im August des gleichen Jahres in sicherer Entfernung von der Agger erneut am heutigen Standort errichtet.

In der gesamten Umgebung wurden zu dieser Zeit Rochuskapellen gebaut. So 1668 in Kemmerich bei Lindlar. Nach einer Notiz des Hohkeppler Pfarrers Henke erhielt 1646 auch Schmitzhöhe eine solche Kapelle. Wie Dr. Anton Jux im Heimatbuch über Hohkeppel (S. 194) berichtet, flüchteten danach – um 1665 – viele Menschen vor der Pest in die Wälder; gegenüber der Kapelle in Schmitzhöhe habe ein Mann namens „Stump“ gewohnt. Jahrelang hatte er das Feuerhorn der Gemeinde bei Bränden zu betätigen. Bei Feuersbrünsten rief er durch kräftige Stöße ins Horn die Bewohner der ganzen Gegend zur Hilfe herbei. Jetzt hatte er ein anderes Amt. Jeden Mittag wanderte er an einen hoch gelegenen Ort nach Kalkofen, von wo man weit ins Bergische Land nach Hohkeppel und Offermannsheide sehen konnte. An dieser Stelle, so lautet die Überlieferung, empfing er durch Hornsignale Nachricht von dem Ausbreiten und Wüten der Pest. Fast alle Gehöfte waren ausgestorben. So hatten der Hornbläser und seine Begleiter ihren Trost darin, wenn er hörte, dass auf den benachbarten Höhenzügen noch Menschen lebten. Glaubte man doch, es würde bald keiner mehr übrig bleiben. Zuletzt verkündete man durch die Zahl der Hornstöße oder durch Winken mit weißen Tüchern, wie viel Menschen in der betreffenden Gegend noch lebten. Als dann endlich die Pest ausgewütet hatte, ordneten die Menschen allmählich wieder neu ihr Leben in die gegebenen Verhältnisse. Sie gewannen erst jetzt einen genauen Überblick über die wahren Verlustzahlen. Sie waren sehr hoch, betrugen doch teils weit über die Hälfte der bisherigen Bevölkerung.

Die Kapelle in Loope genügte Anfang des 20. Jahrhunderts der wachsenden Bevölkerungszahl nicht mehr, sodass es im Jahre 1907 zur Einweihung der neuen Rektoratskirche kam.

Quellenverzeichnis

    • Loope – Ein Heimatbuch“ (ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3873144736)
    • Privatsammlungen Looper Bürger
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