Grube Bliesenbach

Geschichte der Grube Bliesenbach bei Loope

Über die Anfänge des Bergbaus im Bereich Bliesenbach ist lange spekuliert worden. Erste schriftliche Aufzeichnungen über Bergbau in der Bliesenbach gibt es erst seit etwa 1840. Glaubte man bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts an einen Beginn im Mittelalter, so gelangte man danach zu der Erkenntnis, dass in Bliesenbach bereits in römischer Zeit Bergbau betrieben wurde. Belege dafür sind einzelne römische Scherben, die zweifelsfrei auf die Zeit um Christi Geburt datiert werden können.

Auf Spurensuche

In den Jahren 2020 und 2021 wurde das Gelände durch  ehrenamtliche Mitarbeiter des Rheinischen Landesamts für Bodendenkmalpflege in Overath mittels Metalldetektoren großflächig untersucht. Dabei fand man eine Vielzahl von eisernen Werkzeugen wie Meißel, Keilhauen, Doppelnägel, Tüllenäxte und Glocken von Haustieren aus verschiedensten Jahrhunderten. Die ältesten gefundenen Werkzeuge stammen gesichert aus dem 1. Jahrhundert, möglicherweise sogar aus dem 2. Jahrhundert vor Christus aus Keltischer Zeit.

Die Eisenobjekte waren gut erhalten und das Eisen stammt wahrscheinlich aus hiesigen Rennfeueröfen, die zeitgleich mit dem Blei- und Silberbergbau betrieben wurden.

Neuere Publikationen geben einen guten Eindruck vom Werkzeug römischer Handwerker, die natürlich teilweise auch für Bergleute in Frage kommen (Gaitsch 1980, Hübener 1973). Chronologische Entwicklungen konnten allerdings kaum herausgearbeitet werden. Aber es scheint sich ein Kriterium abzuzeichnen, mit dem ein Teil der römerzeitlichen Gezähe zumindest von (spät-) mittelalterlichen und neuzeitlichen unterschieden werden kann. Gezähe mit Heim haben meist ein rundes Auge (Karamidciev 1977). Das bisher veröffentliche Material erlaubt diese Feststellung zumindest für Italien sowie die westlichen und nördlichen Provinzen. Massive Geräte wie Keilhaue, Hammer und Bergeisen haben nahezu ohne Ausnahme runde Stiellöcher. Die ovalen Augen von z.B. Doppeläxten liegen im flachen Zuschnitt der Geräte begründet. Demnach sind Gezähe mit rechteckigen Stiellöchern vor allem mittelalterlich oder jünger.

Das Bleierz im Bereich Bliesenbach enthält ca. 4 Tausendstel Silber, also ca. 400 Gramm pro Tonne. Beim Schmelzen wurde das Silber vom Blei getrennt und war jahrhundertelang an den Landesherrn abzuführen. Dieser verwendete dieses u.a. zur Prägung von Münzen. Ein Bericht über die Funde von Münzen aus dem 12. Jahrhundert in der Bliesenbach wurde im  Numismatisches Nachrichtenblatt vom Februar 2022 veröffentlicht.

Besonders hervorzuheben ist der Fund von 18 Silber-Denaren aus der Zeit des Erzbischofs Arno II. (1137-1151).

Die in der Erde ebenfalls vorkommende Zinkblende konnte bis ca. 1810 nicht genutzt werden, da der Verdunstungspunkt von Zink nur wenig über dem Schmelzpunkt liegt und das Zink bei den damals verwendeten Schmelzöfen in der Ofenabluft verdampfte. Somit wurde sie nicht abgebaut oder – wenn mit Bleierz verwachsen – von diesem getrennt und auf die Halden geworfen.

Ebenso konnten eine große Anzahl von Blei-Schmelzöfen lokalisiert werden. Dabei wurden sowohl die charakteristischen schwarz-glasigen Bleischlacken als auch fertig geschmolzenes Blei gefunden.

Unterschiedlichste Absatzmärkte

Im gesamten Altertum und Mittelalter war der Bleibergbau von der jeweiligen Nachfrage bestimmt. Die Römer hatten großen Bedarf an Blei für ihre Wasserleitungssysteme sowie zum Vergießen von Mauerankern bei Steinbauten. Während der Zeit der Völkerwanderung und im frühen Mittelalter ruhte der Bleibergbau, weil kein geeigneter Absatzmarkt vorhanden war. Das änderte sich im 12. Jahrhundert, als man begann die gotischen Kathedralen zu errichten. Hier brauchte man wieder Blei für Maueranker, Dachbleche und die Stege der Buntglasfenster. Entsprechend florierte im 12. und 13. Jahrhundert der Bleibergbau in der Umgebung von Loope in Bliesenbach, Kastor und in der Silberkaule.

Weiterer Bedarf an Blei entstand für die Herstellung von Gewehrkugeln und seit ca. 1450 zum Herstellen der Lettern für den Buchdruck. Im Zuge der Industrialisierung und des Wachstums der Städte im 19. Jahrhundert gab es eine riesige Nachfrage nach Zink als Blech für Dachabdeckungen und als Korrosionsschutz für Eisen.

Im Wandel der Zeit

Da Anfang des 19. Jahrhunderts (ca.1810) ein neues Verfahren entwickelt wurde, mit dem Zinkblende zu Zink geschmolzen werden konnte, wurde ab 1853 der Bergbau erneut aufgenommen.

Bliesenbach 1879
Bliesenbach 1879

Zuerst begann man, die vorhandenen alten Halden nach Zinkblende zu durchsuchen und einen neuen Schacht anzulegen. Beim Erkunden der alten Stollen stellte man fest, dass Bleierz bis zu einer Tiefe von 70 Metern unter der Talsohle bereits abgebaut war. Durch den Einsatz von Dampfmaschinen und Pumpen gelang es aber, in immer größere Tiefen vorzudringen. Mit 583 Meter Tiefe war Bliesenbach die tiefste Erzgrube im Rheinland.

Die Beschaffung von Kohle und der Abtransport der geförderten Erze waren jedoch sehr teuer. Dies änderte sich erst durch die Eröffnung der Aggertalbahn im Jahr 1884. Hierdurch erlebte die Grube Bliesenbach einen Aufschwung und hatte im Jahr 1895 mit ca. 600 Beschäftigten ihre größte Erzförderung. Die Erze wurden an Ort und Stelle sortiert und aufbereitet und das gewonnene Blei- und Zinkkonzentrat mittels einer Pferdebahn nach Loope transportiert. Dort wurde es auf Pferdefuhrwerke umgeladen und zum Bahnhof nach Ehreshoven gebracht. Von dort ging es per Bahn zur Verhüttung.

Die Weltmarktpreise für Blei- und Zinkerz waren Ende des 19. Jahrhunderts starken Schwankungen unterworfen und die Grube wechselte mehrmals den Besitzer. Nach einem Grubenbrand im Jahr 1909 ruhte der Betrieb und wurde erst drei Jahre später wieder aufgenommen, weil die Rohstoffpreise in Folge der Aufrüstung vor dem Ersten Weltkrieg stark anstiegen. Während des Ersten Weltkriegs wurden in Bliesenbach neben einheimischen Bergleuten zusätzlich 90 russische Kriegsgefangene beschäftigt. In dieser Zeit wurde auch die neue Aufbereitung am Berghang gebaut, deren Betonwände und Fundamentplattformen bis zu deren Sprengung 1983 das größte sichtbare Relikt des hiesigen Bergbaus darstellten.

Trotz immer tiefer gehendem Abbau wurde immer weniger Erz angetroffen und so kam es 1926 zum Ende eines 2000 Jahre alten Bergbaubetriebs. Die vorhandenen Betriebsgebäude wurden teils abgebrochen, teils als Wohnungen und Werkstätten weiter genutzt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die Wehrmacht auf dem Gelände einen Reparaturbetrieb für Militärfahrzeuge ein (HKP als Abkürzung für Heeres-Kraftfahr-Park).

Quellenverzeichnis

    • Hermann Kliem
    • Rheinisches Landesamt für Bodendenkmalpflege
    • Loope – Ein Heimatbuch“ (ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3873144736)
    • Privatsammlungen Looper Bürger
    • Numismatisches Nachrichtenblatt (NNB) – Ausgabe Februar 2022
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