Eröffnung: 12.11.2020
Adresse: Overather Str. , 51766 Engelskirchen
Geodaten: 50.974783 – 7.365147

Alte Volksschule in Loope

Über die Anfänge der Volksschule in Loope ist nur wenig bekannt. Während in Engelskirchen bereits im 18. Jahrhundert eine einklassige Schule bestand, die auch von Looper Kindern mehr oder weniger regelmäßig besucht wurde, ist eine Schule in Loope erst 1819 urkundlich nachweisbar (Pfarrarchiv Engelskirchen). Im Königreich Preußen, zu dem das Herzogtum Berg seit 1815 gehörte, wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt und auf ihre Befolgung strikt geachtet. Loope wurde ein eigener Schulbezirk, zu dem außer dem Ort Loope folgende Ortschaften gehörten: Schiffarth, Dumpe, Büchel, Bliesenbach, Unter- und Oberschelmerath, Vorder- und Hintersteimel, Distelhaus, Heide, Forkscheid, Meisenbüchel, Ehreshoven, Staadt, Lüdenbach, Perdt, Broich, Holz, Ohl und Grünscheid.

Aus einer Skizze zur Urvermessung (1827 – 30) wissen wir, dass im Bereich der alten Schule an der heutigen B55 die “Schule der Gemeinde Unter- Engelskirchen” stand. Der Kommunalbaurat Harperath beschreibt 1842 dieses Gebäude als “von schlechter Konstruktion in Lehmfachwerk mit Strohdach”, die Lehrerwohnung “zu beschränkt, ungesund und unbequem, nur 5 ½ Fuß (etwa 1,60 – 1,70 m) im Lichten hoch”. Wer von den ersten Looper Lehrern, bekannt sind die Namen Lenneper, Hardt, Schaaf und Matthay, in der unbequemen Hütte gewohnt, oder besser gesagt, gehaust hat, ist nicht überliefert. Vielleicht ist es nicht falsch, uns den Lehrer Johann Hardt mit gekrümmtem Rücken sich durch seine Dienstwohnung fortbewegend als Lehrer an der Schule Loope vorzustellen.

Erweiterungen des Schulgebäudes (1846 und 1883)
Steigende Schülerzahlen machten in den 1840er Jahren den Bau eines neuen zweitklassigen Schulhauses, das 1846 bezogen werden konnte, dringend erforderlich. Damit hatte Loope zwei Klassen, in denen 100 Kinder von zwei Lehrern unterrichtet wurden. Im gleichen Jahr konnte auch eine neue Lehrerwohnung im Schulgebäude bezogen werden. Der genaue Standort der Schule war dort, wo heute die Bruchstraße in die B55 einmündet.

Wenige Jahrzehnte später reichten die Räumlichkeiten der Schule erneut nicht aus, so dass 1883 die erste bauliche Erweiterung um zwei neue Klassenräume notwendig wurde. Die Schülerzahl betrug um die Jahrhundertwende ca. 280, aufgeteilt in vier Klassen, die von vier Lehrern an Vor- und Nachmittagen unterrichtet wurden. Jede einzelne Klasse bestand aus zwei Schülerjahrgängen.

Der Schulbezirk Loope hatte zu dieser Zeit rund 1300 Einwohner. Schulleiter war seit 1884 Hauptlehrer Reinartz, der 28 Jahre lang segensreich in Loope wirkte. In seine Amtszeit fällt auch der Bau der ersten Looper Kirche, für den er sich sehr erfolgreich einsetzte. Seine Nachfolger in der Schulleitung waren Hauptlehrer Braun (1912 – 1920), Hauptlehrer Billigmann (1920 – 1933), unter Hauptlehrer Lutterbeck (1933 – 19..) wurde die 5. Lehrerstelle eingerichtet. In den letzten Vorkriegsjahren und während der Zeit des 2. Weltkrieges leitete Hauptlehrer Horst die Schule. Im Oktober 1944 wurden alle Klassenräume von Soldaten des Heereskraftwagenparkes Köln belegt und die Schule für den Unterricht geschlossen.

Erinnerungen eines Schülers über den Unterricht in der Nachkriegszeit

Karl Heinz Lüdenbach, der die Volksschule Loope von 1943 bis 1951 besuchte, erinnert sich:
Nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Kriegsmonate und den Wirren der ersten Nachkriegsmonate wurde am 3. September 1945 der Unterricht zunächst nur für die Grundschulklassen 1 bis 4 wieder aufgenommen. Der erste Schultag begann mit der Segnung der Schulkreuze, die Jahre zuvor auf Geheiß der Naziregierung aus den Klassenräumen entfernt werden mussten. Ihren Platz hatte in jeder Klasse das Hitlerbild eingenommen. Die vorläufige Leitung der Schule übernahm Frau Maria Göbel, die mit Fräulein Weingarten den Unterricht erteilte. Im November 1945 kamen die Klassen 5 bis 8 hinzu, so dass die Schülerzahl auf 230 anstieg. Der Unterricht fand unter äußerst ungünstigen Bedingungen statt. Es fehlte an Lehr- und Lernmitteln, es gab kaum Papier, Tafeln und Griffel. Total überfüllt waren die Klassenräume, dicht gedrängt saßen wir in alten Schulbänken. Jeder Raum hatte einen großen Ofen, der mit Kohlen befeuert wurde, die von Schülern aus dem Keller heraufgeschafft wurden. Mehrmals musste der Unterricht wegen Kohlemangel für einige Wochen ausfallen. Da manche Schüler in Ermangelung guten Schuhwerks schon mit durchnässten Strümpfen zur Schule kamen, wurden Schuhe und Strümpfe zum Trocknen in Ofennähe deponiert. In den Sommermonaten waren selbstgefertigte Sandalen unser Schuhwerk. Die Sohlen schnitten wir aus Autoreifen, die der erwähnte Heereskraftwagenpark in Loope zurückgelassen hatte. Es gab auch Schüler, die barfuß zur Schule kamen. In der nasskalten Herbst- und Winterzeit trugen wir Holzschuhe, “Blotschen” genannt, wie sie uns heute noch aus Holland bekannt sind. Auf ihre Herstellung hatte sich der Schreiner Heinrich Miebach in Hintersteimel spezialisiert. Es polterte ganz beängstigend, wenn wir Schüler dicht gedrängt die alten Holzstufen emporstiegen. Meist ließen wir die Blotschen auf dem Korridor stehen, da andernfalls durch das Hin- und Herschieben der Schuhe auf dem Klassenboden der Geräuschpegel für den Lehrer unerträglich wurde.

Schulspeisung

Im Juli 1946 lief dank der Hilfe der USA die Schulspeisung an, die sehnsüchtig erwartet wurde. In der großen Pause gegen 10 Uhr stellten wir uns in Schlangen an, in der Hand Löffel, Topf oder Wehrmachtskochgeschirr, und nahmen aus der Schöpfkelle unserer Schulköchin, Frau Paula Breidenbach, oder einer Lehrperson unsere Portion, mal Suppe, mal Brei, entgegen und verteilten uns löffelnd auf dem Schulhof. Es gab auch Schüler, deren Familien in sehr prekärer Notlage waren. Diese Kinder kamen in der Pause zur Schule, nahmen in Kannen ein bis zwei Liter Schulspeise entgegen und machten sich wieder auf den Heimweg.

Im Jahre 1946 stieg die Schülerzahl auf über 280 an. Erst jetzt erhielt Frau Göbel Unterstützung: Zwei neue Lehrkräfte wurden der Schule zugewiesen. Frau Hedwig Wrede kam aus Köln und übernahm das erste und zweite Schuljahr, Herr Hermann Hospelt, der vor seiner Einberufung zum Militär 1940 schon einige Monate an der Schule tätig gewesen war, übernahm die Klassen 6 bis 8. Im gleichen Jahr wurde Herr Bruno Böhlefeld nach Loope versetzt. Er hatte 13 Jahre lang die einklassige Schule in Windeck/Sieg geleitet und war vor 1933 schon mehrere Jahre in Engelskirchen als Lehrer tätig gewesen. Her Böhlefeld übernahm 1949 als Hauptlehrer die Leitung der Schule.

Entscheidung für einen Neubau

Der schlechte bauliche Zustand und steigende Schülerzahlen machten in den 50er Jahren den Um- und Erweiterungsbau der Schule oder den Bau einer neuen Schule dringend erforderlich. Der Ausbau der alten Schule fand nicht die Zustimmung der Schulaufsichtsbehörde, da man die Lage zwischen Bundesstraße und Eisenbahnstrecke als äußerst ungünstig erachtete. Auch der Gemeinderat entschied sich für den Bau einer neuen Schule außerhalb der belebten Talaue. Im Juni 1956 konnte mit dem Bau begonnen werden, nachdem die Gemeinde auf der Brücker Hardt ein geeignetes Grundstück erworben hatte.

Die neue Schule auf dem Berg

In einer festlichen Einweihungsfeier am 11. Oktober 1958 wurde die neue Schule ihrer Bestimmung übergeben. Kinder, Eltern, Lehrer und Gemeindevertreter sind stolz auf ihre neue Schule, zumal der Vertreter der Bezirksregierung sie als die schönste Schule dieser Größenordnung im rechtsrheinischen Teil des Regierungsbezirkes bezeichnete.

Am Ende des Schuljahres 1961/62 tritt Herr Bruno Böhlefeld nach 42jähriger Tätigkeit als Lehrer in den Ruhestand. Loope dankte ihm in einer festlichen Abschiedsfeier im Saale der Gaststätte Fries. Sein Nachfolger wird Herr Hermann Hospelt.

Im April 1964 beschließt der Gemeinderat, die Schule durch den Anbau von zwei Klassenräumen zu erweitern. Gleichzeitig wird der Bau einer Turnhalle beschlossen. (16.7.1964 Richtfest – Foto Handwerkerkinder). Im April 1965 sind Turnhalle und Erweiterungsbau fertiggestellt und werden im Rahmen einer Einweihungsfeier durch Amtsdirektor Büscher ihrer Bestimmung übergeben.

Das Ende der Volksschule

Die Neuordnung des Schulwesens 1968 bedeutete für die Volksschulen in Nordrheinwestfalen das Ende.
Schulrat Carl Küppers aus Bergisch Gladbach drückte in einer Lehrerkonferenz in Loope die Situation so aus: “Omas Schule ist tot”. Für Loope bedeutete das: Die bisherige Volksschule wird als Grundschule fortgeführt. Der Schulbezirk bleibt für die Jahrgänge 1 bis 4 bestehen. Die Jahrgänge 5 bis 9 der Volksschulen Engelskirchen, Loope, Hardt sowie der Evangelischen Schule Engelskirchen bilden in Zukunft den Schülerstamm der neu einzurichtenden Hauptschule Engelskirchen, soweit sie nicht zu anderen weiterführenden Schulen wechseln. Standort der Hauptschule ist in Engelskirchen.

Das neue Hauptschulgebäude wird im Herbst 1970 bezogen. Rektor dieser Schule wird Herr Rolf Steinjan, der seit 1966 als Konrektor an der Volksschule Loope tätig war, Konrektor wird Karl-Heinz Lüdenbach, der seit 1964 Lehrer an der Volksschule Loope war. Herr Hermann Hospelt bleibt Rektor der Katholischen Grundschule Loope.
Im Zuge der kommunalen Neugliederung wird zu Beginn des Jahres 1975 der Schulbezirk Loope an den Grenzen zur Gemeinde Overath neu geordnet. Nun gehören auch die Ortslagen Hülsen, Niederhof, Rottland, Unter- und Oberstaadt zum Schulbezirk Loope.

Besetzung und Abriss der alten Schulgebäude

Text folgt…

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