Wie hat man 1877 in Loope gesprochen?

„Onger dem Appelbömchen do hengen stond zwei Bänkelcher.“

Im Jahr 1877 schickte der in Düsseldorf geborene Sprachwissenschaftler Georg Wenker (1852-1911) Bögen an Volksschulen im Rheinland mit der Bitte, die dort aufgeführten 42 Sätze im regionalen Dialekt zu übersetzen. 1884 wiederholte er die Aktion im gesamten Deutschen Reich mit über 40.000 Erhebungsorten.

Auch die Volksschule Loope beteiligte sich mit den damaligen Lehrern Günter und Reinartz an diesem Forschungsprojekt zum „Deutschen Sprachatlas“.

Auch wenn die Sätze mittels des normalen Alphabets geschrieben wurden (und damit ohne linguistische Feinheiten wie Vokaldauer, Akzentuierung etc.) sind sie doch ein wertvolles Zeitdokument.

Zum Fragebogen von Wenker gehörte auch eine Abfrage zur Person des Lehrers, zur Datenerfassung und sprachlichen Besonderheiten.

    1. Name des Lehrers: Herr Günther
    2. Geburtsort des Lehrers: Giershagen in Westfalen
    3. „Geschah die Uebersetzung durch Schüler oder nicht?“: ja
    4. „Lautet in dem in Ihrer Schulgemeinde ortsüblichen Platt g im Anfang der Wörter (z. B. in den plattdeutschen Wörtern für gut, geben, glauben, groß) ein j, oder ein leises k, oder ein leises ch?: j
 

Für die Volksschule „Loope, Kreis Wipperfürth, Regierungsbezirk Köln, Staat Preußen“ übersetzt Lehrer Jak. Reinartz die 42 Sätze. Er wurde in „Altdorf, Kreis Jülich“ geboren. Im Vordruck wurden folgende Fragen (z. T. durch Durchstreichen) beantwortet:

    1. Geschah die Uebersetzung durch Schüler oder durch den Lehrer?
    2. Lautet in dem in Ihrer Schulgemeinde ortüblichen Dialekte das g im Anfange der Wörter (z. B. in den mundartlichen für gut, geben, groß, graben, glauben, glücklich) wie j, oder wie leises k, oder wie leises ch, oder wie harte ch?
    3. Ist ein deutlicher Unterschied zwischen dem g in Kugel, Augen, fragen und dem g in Kegel, kriegen, biegen, zeigen, oder sind die g sämmtlich in der Aussprache fast gleich?
    4. Lautet st, sp in den mundartlichen Wörtern für Stall, stellen, sprechen, Spiel etc. wie scht-, schpoder wie ßt-, ßp?
    5. Ist sch in den den mundartlichen Wörtern für fischen, waschen, Flasche ein einziger Lauf, oder lautet es getrennt wie fiß-chen, Flß-che etc.
    6. Wird das r in roth, rund mit der Zungenspitze oder hinten im Munde gebildet?
    7. Unterscheiden die Schüler von selbst oder erst, nachdem sie ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden sind, folgende Laute:
      1. g und ch in zeigen und Zeichen, von selbst? nein?
      2. s und ß in reisen und reißen, von selbst? nein?
      3. dr und tr in drehen, drüber und treten, trauen, von selbst? nein?
      4. gr und kr in Greis und Kreis, von selbst? nein?
    8. Haben die Einwohner Ihres Schulorts noch eine ausgeprägte Volkstracht?
      1. Die Männer? die Frauen?
    9. Wie lautet der Name des Schulorts in dortiger Mundart? Und zwar:
      1. alleinstehend = Luepe

in dem Satze: er wohnt in …= Luepe

Antworten_Saetze_1-18
Das Bild zeigt die Antworten auf die Sätze 1. – 18 , wie die Lehrer Günther sie 1877 handschriftlich aufgeschrieben hat. (Quelle: https://regionalsprache.de/Wenkerbogen/QuestionnaireViewer.aspx?Id=73629 / Wenkerbögen sind lizenziert unter CC BY-SA 4.0 Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas – Philipps Universität Marburg)

Folgend die Antworten auf alle Sätze:

    1. Thu Dir ein Tuch um den Kopf binden!

Dunn dir en Tuch öm dä Kopp bengen.

    1. Sie hat zu mir gesagt, sie wollte heut Abend wieder nach Haus kommen.

Sie hät zu mir gesät, sie wöhl hüd Ovend wider hem kummen.

    1. Wir sind von ihnen bestellt worden.

Mir sind van Öch bestalt wuden

    1. Im Winter fliegen die Blätter durch die Luft.

Em Wengter fliegen die Blader durch die Lucht 

    1. Unter dem Apfelbäumchen da hinten stehen zwei Bänkchen.

Onger dem Appelbömchen do hengen stond zwei Bänkelcher.

    1. Der Schnee ist diese Nacht bei uns liegen geblieben; er liegt drei Fuß hoch.

Der Schni es dis Näd liegen blieven, hä liet drei Fuß huh.

    1. Ich hätte euch gute Liederbüchlein gegeben; ihr seid mir aber nicht artig gewesen.

Ech hät öch gut Lederbüchelcher gegerwen, Ühr sit ehver nit atig geweest

    1. Man muß ihn bedauern, er ist ein gutmüthig Schaf.

Mer muß ihn beduern, hä es en gutmütig Schof

    1. Gestern war schlecht Wetter.

Gestern wor schläd Weeder

    1. Euer Hund hat uns das Fleisch aufgefressen.

Ühr Hunk hät os dat Flesch obfressen.

    1. Habt ihr kein Stückchen Seife auf dem Tisch gefunden?

Hat Ühr ken Stöckelchen Sefe om Tösche fongen?

    1. Ich konnte es nicht finden.

Ech kunnt et nit fengen

    1. Wir müssen hier noch ein Augenblickchen warten.

Mir müssen hie noch en Ogenbleck waden.

    1. Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Küh und zehn Schäfchen vor das Dorf gebracht.

Die Bueren hand fönf Oesen un nüng Küh on ziehn Schöfchen vür dat Dorb bräht.

    1. Mein lieb Kind, du mußt erst noch ein bißchen wachsen und größer werden und laufen lernen.

Liev Kenk, du muß ischt noh en beschen wasen on grüßer weeden on lofen lieren.

    1. Ich schlage dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, wenn du nicht bald gehst, du Affe!

Ech schlon dich glich mem Kochlöffel öm die Uhren, wenn du nit bal gehs, du Ape!

    1. Unser ältester Bruder soll bei Eurem Meister in die Lehre gehen.

Oser älsten Bruder soll bei ürem Mester en die Lihr gohn.

    1. Ich habe eben von ihr gehört, es wären über zwölf Häuser und eine Scheuer abgebrannt.

Ech han ehwens van ehr gehurt, et wören üver zwelef Hüser on en Schüer avgebranngt.

    1. Er macht heut ein wüthig Gesicht.

Häh maht hüd en wüthig Gesicht.

    1. Es sind schlechte Zeiten.

Et sind schlete Zieten.

    1. Sie hatten sich die Köpfe blutig geschlagen.

Sie hand sech die Köppe bludig geschlägen.

    1. Der ewige Regen soll die Äpfel wohl theuer machen.

Der iwige Rän sall die Äppel wahl thür machen.

    1. Meiner Mutter hatte alte Kleider von meiner Tochter herausgelegt.

Minn Mutter hat al Kleder van minger Dohter herusjeläd.

    1. Ich möchte ein halb Pfund Wurst haben.

Ech möt gen en half Ponk Wurscht han.

    1. Was sind das für schöne Äffchen!

Wat sind dat für schön Apen.

    1. Wollt ihr lieber ein Gläschen rothen Wein trinken oder ein Gläschen weißen?

Wellt Ühr liever en Gläschen ruthen Wing trenken uder en Gläschen wißen?

    1. Der Teufel hat Pferdsfüße.

Der Tüfel hät Perdsfüße.

    1. Der Rhein ist sehr hoch gewesen.

Der Ring es ärg huh gewehest.

    1. Hättst du das gewußt!

Häs du dat gewoßt

    1. Der darf man nicht trauen, die hat es hinter den Ohren!

Der darf mer nit troen, die hät et henger den Uhren setzen!

    1. Geht Kinder! ihr sollt unserm Kecht sagen, er sollte uns das große Buch neben den Ofen

Goth Kengder, Ühr sollt osem Knecht sägen, hä söl os dat gruße Buch nehrver den Oehven lägen.

    1. Ich bin arm und wäre gern reich.

Ech ben ärm un wör gen rich.

    1. Seid so gut und bringt mir eine Flasche frisch Wasser herauf!

Sit su gut on brengt mir en Fläsche fresch Wasser herob.

    1. Wir haben es ihm erzählt.

Mir hant et em verzahlt.

    1. So etwas thut sehr weh, das könnt ihr mir wohl glauben!

Su get det wih, dat künnt Ühr mir wahl glöven.

    1. Er sagte ihr, er hätte das Geld selber nöthig.

Hä sät, hä hät dat Geld selver nüthig.

    1. Ich will es auch nicht mehr wieder thun!

Ech well et och nit wider duhn.

    1. Es kommt mir von Herzen!

Et küt mir von Häzen!

    1. Wir haben Durst gehabt wie ein Pferd!

Mir hant Durscht gehat wie n Perd!

    1. Deine Schwester sagte zu ihm, es säßen sechs Täubchen oben auf dem Mäuerchen

Din Schwester sat zu em, et sößen sechs Tüvcher oheven ob dem Mürchen.

    1. Du da! bleib einmal stehen! wo bist du heut wieder herumgelaufen? was hast du gethan? geh nach Haus!

Du do, bliev ens stohn! Wo best du hüd wider herömgelofen? wat häßt du gedohn? gank hem!

    1. Seine Frau hat sich gestellt, als thät sie ihn nicht kennen; sie hat ihn aber doch gekannt, und er sie auch.

Sin Frau hät sech gestalt, äs kennt sie en nit; sie hät en äver doch gekanngt, on hä sie och.

    1. Im Winter fliegen die trocknen Blätter durch die Luft herum.

Em Wengter flegen de drüh Blader en der Loft heröm. 

    1. Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.

Et hürt glich ob ze schneien, dann wüd et Wädder wedder besser. 

    1. Thu Kohlen in den Ofen, daß die Milch bald an zu kochen fängt.

Don Kollen en den Oäfen, dat de Melch bal an ze kochen fängt.

    1. Der gute alte Mann ist mit dem Pferde durch´s Eis gebrochen und in das kalte Wasser gefallen.

De got al Mann es mem Päd dorch et Ies gebroche on en dat kal Wasser gefallen. 

    1. Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.

Dat Hä es för vier odder sechs Wechen gestorfe 

    1. Das Feuer war zu stark/heiß, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.

Dat Füer wor ze heeß, de Kochen send jo onge ganz schwaz gebrangt.

    1. Er ißt die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.

Hä eßt de Eier emmer ohne Saalz on Peffer. 

    1. Die Füße thun mir sehr weh, ich glaube, ich habe sie durchgelaufen.

De Föß do mir siä wie, ech glöf, ech han se dorchgelofe. 

    1. Ich bin bei der Frau gewesen und habe es ihr gesagt, und sie sagte, sie wollte es auch ihrer Tochter sagen.

Ech ben bei de Frau gewäßt, on han et er gesäet, on se sät, se wohl et och ehrer Dogter sagen. 

    1. Ich will es auch nicht mehr wieder thun!

Ech well et och net mie wedder don!

    1. Ich schlage Dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, Du Affe!

Ech schlon dech glich met dem Kochleffel öm de Uhren, du Aab! 

    1. Wo gehst Du hin? Sollen wir mit Dir gehn?

Wo gehste hen, solle mer met der gon? 

    1. Es sind schlechte Zeiten.

Et sen schläete Ziete! 

    1. Mein liebes Kind, bleib hier unten stehn, die bösen Gänse beißen Dich todt.

Meng lev Kenk, bliev he onge ston, die bösen Gänse bießen dich duet. 

    1. Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, Du darfst früher nach Hause gehn als die Andern.

Du häß hück am mieschten geliert on beß adig gewäest, du darfs fröher no Hus gon äs de Andere. 

    1. Du bist noch nicht groß genug, um eine Flasche Wein auszutrinken, Du mußt erst noch ein Ende/etwas wachsen und größer werden.

Du beß noch net grueß genog, om en Fläsch Wing zu drenke, Du moß iescht noch en Eng wahße on grüesser werden. 

    1. Geh, sei so gut und sag Deiner Schwester, sie sollte die Kleider für eure Mutter fertig nähen und mit der Bürste rein machen.

Gank, sei so got, on sech dinger Schwester, se soll de Kleider för üer Motter fäedig nägen on met de Büeschte rein mage. 

    1. Hättest Du ihn gekannt! dann wäre es anders gekommen, und es thäte besser um ihn stehen.

Hätz du en gekangt! Dann wör et andesch kummen, on et däht besser öm en stohn. 

    1. Wer hat mir meinen Korb mit Fleisch gestohlen?

Wä hät mer mengen Korf mit Flesch gestollen? 

    1. Er that so, als hätten sie ihn zum dreschen bestellt; sie haben es aber selbst gethan.

He däht esu, als hätten se’n zom dreschen bestalt, se handet evver selefer gedohn. 

    1. Wem hat er die neue Geschichte erzählt?

Wemm hät hä de neu Geschichte verzahlt. 

    1. Man muß laut schreien, sonst versteht er uns nicht.

Mer moß hat schreien, söß versteht hä us net.

    1. Wir sind müde und haben Durst.

Mer send möd on han Duescht. 

    1. Als wir gestern Abend zurück kamen, da lagen die Andern schon zu Bett und waren fest am schlafen.

Äs mie gestern ofend zoröck kome, do logen de Andern alt zo Bett on woren fast am schlofen. 

    1. Der Schnee ist diese Nacht bei uns liegen geblieben, aber heute Morgen ist er geschmolzen.

Dä Schnie es des Näht bei os liggen blevven, evver höck Morgen wor hä gescholzen. 

    1. Hinter unserm Hause stehen drei schöne Apfelbäumchen mit rothen Aepfelchen.

Henge ohsem [?] Hus stohn drei schün Apelbömcher met ruden Äpelcher. 

    1. Könnt ihr nicht noch ein Augenblickchen auf uns warten, dann gehn wir mit euch.

Konnt ühr net noch en Ogenbleck ob os wade, dann gon mer met öch. 

    1. Ihr dürft nicht solche Kindereien treiben!

Ihr dörft net son Kengereien drive. 

    1. Unsere Berge sind nicht sehr hoch, die euren sind viel höher.

Os Berg sen nit sier huch, de üe send vel hüher. 

    1. Wieviel Pfund Wurst und wieviel Brod wollt ihr haben?

Wevell Ponk Wuscht on wevell Brut wollt ühr han. 

    1. Ich verstehe euch nicht, ihr müßt ein bißchen lauter sprechen.

Ech verstohn üch net, ühr mot en beschen heder kallen. 

    1. Habt ihr kein Stückchen weiße Seife für mich auf meinem Tische gefunden?

Hat ühr ken Stöckchen wieße Sefe ob mengem Desche för mech fongen. 

    1. Sein Bruder will sich zwei schöne neue Häuser in eurem Garten bauen.

Sin Broder well sech zwei schüne neue Hüser an ürem Gaden bouen [?]. 

    1. Das Wort kam ihm von Herzen!

Dat Woet kom em vom Hetzen. 

    1. Das war recht von ihnen!

Dat wor Rät von enne. 

    1. Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?

Wat setzen do för Vögel offen ob dem Müerchen. 

    1. Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und zwölf Schäfchen vor das Dorf gebracht, die wollten sie verkaufen.

De Bueren hand fönf Oehse on nöng Köh on zwölf Schöfcher für dat Dorb brat, de wollen se verkofen. 

    1. Die Leute sind heute alle draußen auf dem Felde und mähen/hauen.

De Lück send höck all drueße  ob dem Feild on mägen.

    1. Geh nur, der braune Hund thut Dir nichts.

Gank nue, de bronge Honk deht der nüß.

    1. Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren.

Ech ben met den Löcken do henge öffe de Wies en et Koen gefahre.

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